Auswirkungen auf die Umwelt

Pressekonferenz 30.04.07 Kempten


Maria Heubuch,
Bundesvorsitzende Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (ALB)
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Auf einer Wahlveranstaltung wurde den Kandidaten über die gesundheitlichen Auswirkungen von Mobilfunkstrahlen berichtet, auch von den Ängsten der Anwohner. Die lapidare Antwort einer der Politiker war: „Viele berichten über Kopfschmerzen noch bevor die Antennen überhaupt angeschaltet sind!“

Deshalb werde ich ihnen über unsere Erfahrungen auf unserem Milchviehbetrieb berichten, den mein Mann und ich seit Jan. 1980 bewirtschaften.

Dabei beschränke ich mich auf unsere Tiere, da wir den Kühen nicht unterstellen können, dass sie aus psychischen Gründen erkranken und bereits Kopfschmerzen beim bloßen Anblick der Antennen bekommen.

Seit 1999 leben und arbeiten wir neben zwei Mobilfunkantenne (Vodafone) die sich unser Nachbar auf seinem Hallendach hat anbringen lassen.


In den ersten Jahren habe ich die außergewöhnlichen Vorkommnisse aufgelistet:

1999 insgesamt 3 Verkalbungen

Juni 99 Kuh verendet (laut Tierarzt gestörte Herzfrequenz)

Januar 2000 Verkalbung

Februar 2000 Kuh verendet

September 2000 Kuh verendet

Drei auf ungewöhnliche Weise verendete Kühe in nur 2 Jahren! In den 20 Jahren zuvor waren es gerademal vier – alle im Zusammenhang mit einer Kalbung!

seit Ende 2000 mehrere Kälber knicken mit den Vorderbeinen ein – kommt seither häufiger vor als früher – liegt nicht am Vererber, da unterschiedliche Rassen und Bullenväter

Juli 2001 Verkalbung

Okt. 2001 Kalb verendet (Herzversagen)

April 2002. Verkalbung

Dez. 2003 Kalb verendet

Dez. 2003 Verwerfung Kalb in (ca. 8.Monat)

Jan. 2004 Verwerfung (knapp 8.Monat)

2004 mehre Frühgeburten, Kälber sehr klein aber haben überlebt

Nov. 04 Bullenkalb mit völlig missgebildetem rechtem Vorfuß


Die Hauptbelastung aber sind ständige Trächtigkeitsprobleme. Die Kühe nehmen schwerer auf als früher und wenn sie tragend sind – vom Tierarzt nach ca. 6 Wochen festgestellt – gibt es ungewöhnlich viele Verwerfungen die nicht oder spät bemerkt werden.

Das sind für uns erhebliche Verluste, zusätzliche Tierarztkosten, Arbeit und Ärger. Zwei der verendeten Kühe haben wir in der Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsanstalt in Aulendorf untersuchen lassen. Beide waren laut Untersuchungsbericht „organisch gesund und in gutem Nährzustand“. Bei der ersten Kuh waren Gehirnblutungen, Wasser im Gehirn und ein Lungenödem festgestellt worden. Die Organe waren keimfrei – Ursache „zufällig geplatztes Gefäß“. Die zweite Kuh hatte einen hochgradigen Flüssigkeitserguss in der Lunge und unklare zentralnervöse Störungen. Todesursache ungeklärt!

Auch zwei der totgeborenen Kälber haben wir dort untersuchen lassen. Dabei konnten spezifische Aborterreger als Ursache nicht nachgewiesen werden. Wir haben jedes Mal auf die Probleme seit der Errichtung der Mobilfunkantennen hingewiesen. Doch diese Sorge unsererseits wurde nur belächelt.

Doch am 3. März 2004 lese ich in der Schwäbischen Zeitung, dass die Fälle der zu untersuchenden Totgeburten zugenommen habe. Dabei wird nicht jede Totgeburt gemeldet. Erst wenn der Leidensdruck der Bauern steigt, werden die Fälle gemeldet. Doch nur 30% konnten schlüssig geklärt werden. Die Untersuchungsanstalt weist in diesem Pressebericht auch auf Aussagen der Hochschule Hannover (Prof. Dr. Wolfgang Löscher) hin, „dass negative Einflüsse von Mobilfunksendeanlagen wahrscheinlich sind“.

Für diese Erkenntnis haben wir keine Studie aus Hannover, oder eine Rinderstudie wie die aus Bayern gebraucht. Wir sehen es bei unserem Vieh im Stall. Wir haben auch nicht unsere Bewirtschaftungsweise geändert, die Leistung massiv gesteigert oder einen neuen Stall gebaut, so dass darin die Ursache liegen könnte. Die einzige Veränderung war die Mobilfunkantenne auf dem Nachbargebäude.

Beim Umgang mit der Natur und mit Tieren gab und gibt es immer wieder Probleme, aber was ich hier berichtet habe, übersteigt den normalen Rahmen erheblich.

Nach der Rinderstudie in Bayern wurde immerhin von der Staatsregierung zugegeben, dass noch Forschungsbedarf besteht. Doch trotz der Ungewissheit über Gesundheitsgefährdungen – letztendlich nicht nur bei Tieren, sondern auch bei uns Menschen – wird Mobilfunk weiter ausgebaut Und das buchstäblich über unsere Köpfe hinweg.

Ich kann wohl darüber entscheiden, ob ich ein Handy oder ein Schnurlostelefon benützen möchte, oder besser nicht. Aber ich kann nicht mitentscheiden, ob ich mich von einer Mobilfunkantenne bestrahlen lassen muss.

Mit dieser Belastung müssen wir leben, 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag. Es hat uns niemand gefragt! Es gab keine demokratische Abstimmung darüber. Niemand wurde über mögliche Risiken aufgeklärt.

Wir haben hier nach der Kernenergie und der Agrogentechnik eine weitere Risikotechnologie die mehr Fragen und Probleme aufwirft als sie Antworten geben kann.

Eine Technik die uns volkswirtschaftlich teuer zu stehen kommt, da die gesamten Folgekosten die Allgemeinheit (Gesundheitswesen) oder die Geschädigten zu tragen haben. Doch die Profite fließen in internationale Konzerne die am Gemeinwohl kein gesondertes Interesse haben und bei Schädigungen keinerlei Haftung übernehmen.

Die Gewinne sind privatisiert! - Die Risiken sozialisiert!


Maria Heubuch,
Bundesvorsitzende Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (ALB)



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