Antwort Dworschak an Kern und Richter
Von: "Manfred Dworschak"
an: <Karl Richter>;
Cc: <Chefredaktion Spiegel> Sent: Thursday, May 17, 2007 3:29 PM
Subject: Offener Brief der "Kompetenzinitiative"
- Nachrichtlich an die Chefredaktion zur Kenntnis -
Sehr geehrter Herr Dr. Kern, sehr geehrter Herr Prof. Dr. Richter,
Sie haben mich in Ihrem Schreiben vom 7.5. an die Chefredaktion der Ignoranz bezichtigt unter anderem gegenüber "einer unabhängigen internationalen Forschung, die elektromagnetische Schädigungen auch von Pflanzen und Tieren verlässlich nachgewiesen hat - z. T. sogar mit staatlichen Fördermitteln (ein Beispiel anbei)".
Erlauben Sie mir, dass ich dazu eine Richtigstellung anbringe. Ich habe in vielen Fällen die Belege überprüft, die Mobilfunkkritiker mir vorgelegt haben - so auch in diesem. Das Ergebnis wird Sie interessieren. Der von Ihnen als Beispiel beigefügte Projektbericht "Studies on the Effects of Radio-Frequency Fields on Conifers" ist noch nicht einmal aus Sicht seiner Autoren ein Beleg für irgendwas. Prof. Dr. Alexander Lerchl schreibt dazu:
"Die wenige cm hohen Keimlinge (von 'Bäumen' zu reden ist sicherlich falsch) wurden zusammen mit den Anzuchttöpfchen exponiert. Auffallend war ein höherer Wasserbedarf der exponierten Pflanzen. Dies deutet darauf hin, dass die Pflanzen möglicherweise indirekt, und zwar durch thermische Wirkungen auf die Anzuchterde, zu Schaden kamen (Wasserstress, Nährstoffmangel etc.). Die Exposition der Erde, in der Bäume in der Natur stehen, findet so wie in dem Experiment geschehen nicht statt. Auch die in der Umwelt vorhandenen wesentlich geringeren Feldstärken lassen keinesfalls den Schluss zu, dass die Experimente an Keimlingen unter den geschilderten Versuchsbedingungen für relevante Expositionen von Bäumen Schäden oder ursächliche Zusammenhänge vermuten lassen."
Einfacher gesagt: Mobilfunkstrahlung kann feuchte Erde in sehr kleinen Töpfchen ein wenig erwärmen (die "thermische Wirkung", die niemand bestreitet). Das kann auf Dauer wegen erhöhter Verdunstung zu Wassermangel bei den Keimlingen führen. Bäume im wahren Leben draußen betrifft das aber nicht, weil die Wurzeln von der Strahlung gar nicht erreicht werden; die Eindringtiefe der Funkwellen beträgt nur wenige Zentimeter.
Ich weiß nicht mehr, wieviele verlässliche Beweise für die Schädlichkeit des Mobilfunks ich bereits präsentiert bekam, die sich allesamt schon nach ein bißchen Nachforschung in nichts auflösten. Sie sollten wirklich einmal Argumente vorlegen; andernfalls überdenken Sie bitte Ihre Anschuldigungen.
Mit freundlichem Gruß
Manfred Dworschak
k.DER SPIEGEL
Redaktion Wissenschaft & Technik